Sind wir noch zu retten?

Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft vor enorme Herausforderungen. Die brennende Frage „Sind wir noch zu retten?“ stand dieses Jahr im Zentrum am „Tag der jungen Landwirtschaft“.



Nichts ist so konstant wie der Wandel. Das gilt auch für das Klima, wie ein Blick auf die Geschichte lehrt. „Die klimatischen Änderungen sind aber langsamer abgelaufen“, brachte Andreas Schaffhauser, prov. Leiter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), den Unterschied zu dem derzeitigen vom Menschen bedingten Klimawandel auf den Punkt. Klar ist für ihn, dass sich der beobachtete Trend zu steigenden Temperaturen hierzulande fortsetzen wird. Damit verbunden seien häufiger auftretende Hitzewellen. Im Hinblick auf den Niederschlag sind die Entwicklungen laut dem ZAMG-Experten nicht so eindeutig. Im Winter würden diese tendenziell zunehmen und vermehrt als Regen statt Schnee fallen, was ein Vorteil für die Grundwasserneubildung sei. Andererseits nehme die Verdunstung durch mehr Sonnenstunden, höhere Temperaturen und längere Vegetationsperioden zu. Die Sommer werden insgesamt trockener, während gleichzeitig Gewitter, Hagel und Starkregen intensiver würden. Hitzetage und -perioden würden als „Wachstumsbremse“ in tiefen Lagen fungieren, dagegen könnten sich die Bedingungen in höheren Lagen verbessern. Früher einsetzende Wärme begünstige Schädlinge, das Waldbrandrisiko werde durch Dürre höher.


Der Wirtschaftsforscher Franz Sinabell stellte das Projekt „BEAT – Bodenbedarf für die Ernährungssicherung in Österreich“ bei der Online-Veranstaltung vor. Die Ergebnisse sind drastisch: Unter der Annahme eines extremen, aber wahrscheinlichen Klimaszenarios werden vor allem die Böden im Osten Österreichs deutlich an Ertragsfähigkeit verlieren. Die Eigenversorgung ist dadurch bei einigen wichtigen Agrarprodukten nicht mehr gewährleistet. Lediglich einige Gebiete im Alpenvorland können von den höheren Temperaturen bei gleichzeitig ausreichendem Niederschlag profitieren. Maßnahmen, um die negativen Auswirkungen zu reduzieren, wurden diskutiert: etwa die Bewässerung in Trockengebieten, die Verringerung der Zerstörung und Versiegelung von wertvollen Böden und die Auswahl hitze- und trockenresistenter Sorten.


Doch was macht eine gute Umwelt-und Agrarpolitik darüber hinaus aus? Außernutzungsstellungen? Mit „Schützen durch Nützen“ formulierte die Bundesobfrau der Jungbauern, Carina Reiter, dazu eine Absage. Die nachhaltige Produktion und Nutzung in der Kulturlandschaft leisten viel mehr einen wichtigen Beitrag zu Biodiversität und Klimaschutz. Statt auf Verbote solle auf Anreize und Leistungsentgelte gesetzt werden. Ein gutes Beispiel hierfür sei das ÖPUL, an dem mehr als 80 Prozent der österreichischen Bauern freiwillig teilnehmen und damit einen großen Beitrag zum Umwelt, Klima- und Biodiversitätsschutz leisten.