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Agricultural Outlook Conference: Auf der Suche nach Lösungen in Zeiten der Krise


Abg.z.NR Carina Reiter und Geschäftsführer der Jungen Landwirtschaft Österreich, Martin Grob, bei der „Agricultural Outlook Conference“. Credit: Martin Grob

Im Dezember fand in Brüssel die „EU Agricultural Outlook Conference“ statt. Bei der wichtigsten jährlichen EU-Veranstaltung zu den Marktaussichten in der Landwirtschaft waren viele wichtige Stakeholder aus der gesamten Europäischen Union anwesend, die in den nächsten Jahren die Zukunft der EU-Agrarpolitik maßgeblich mitbestimmen werden. Auch eine Delegation der Jungen Landwirtschaft Österreich besuchte in Person von Abg.z.NR Carina Reiter und Martin Grob die Konferenz in den Räumlichkeiten der EU-Kommission und hatte dabei auch die Gelegenheit für einen Austausch mit EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski sowie den beiden österreichischen EU-Abgeordneten Simone Schmiedtbauer und Alexander Bernhuber.

von Martin Grob


https://agriculture.ec.europa.eu/events/2022-eu-agricultural-outlook-conference-2022-12-08_en © Europäische Union, 2022

Schon bei den Begrüßungsworten der Konferenz ging Wojciechowski auf die derzeitige Krisensituation ein: „Ich danke allen Bäuerinnen und Bauern, weil sie jeden Tag die Ernährungssicherheit der Menschen in Europa sicherstellen. Wir sollten ihnen jeden Tag dafür danken, dass wir keine Lebensmittelkrise in der Europäischen Union haben“, so der polnische Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Um die Stabilität des Ernährungssystems der EU auch mittel- und langfristig zu gewährleisten, forderte er offene und transparente Märkte und eine Unterstützung für Bäuerinnen und Bauern, die von der Teuerung derzeit besonders stark betroffen seien. Diesen Aussagen konnte auch die stellvertretende Obfrau der Jungen Landwirtschaft Österreich, Carina Reiter, einiges abgewinnen: „Die größten Herausforderungen für die europäische Landwirtschaft heißen Klimawandel, Generationenwechsel und Wertschöpfung. Es braucht Planungssicherheit und Rentabilität. Dann können wir mit Motivation und Innovation die agrarische Zukunft gestalten“, so Reiter.


Reiter: „Bio kann man nicht einfach vorschreiben“

EU-Abgeordneter Alex Bernhuber, EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski, Abg.z.NR Carina Reiter, Simon Kaiblinger und Geschäftsführer der Jungen Landwirtschaft Österreich, Martin Grob Fotocredit: zVg

In einem Gespräch mit Wojciechowski am Rande der Konferenz unterstrich Reiter den Stellenwert der kleinstrukturierten und vergleichsweise jungen Landwirtschaft in Österreich und erzählte dem Agrarkommissar auch von den Herausforderungen in der österreichischen Agrarpolitik: „Österreich ist im Bereich Bio-Landwirtschaft europäischer Vorreiter. Das haben wir durch konsequente, marktorientierte Weiterentwicklung erreicht. Den Versuch eine derartige Entwicklung durch diverse Strategien zu verordnen, lehnen wir strikt at.“, so Reiter.


Anlass zur Sorge: 800 Höfe pro Tag verloren

Wojciechowski präsentierte auch einige Zahlen, die Anlass zur Sorge geben. So stieg einerseits das Durchschnittsalter der Bäuerinnen und Bauern in der EU in den vergangenen 10 Jahren auf 57 Jahre an, andererseits ging die Zahl der Höfe im selben Zeitraum um 3 Millionen zurück (von 12 Millionen auf 9 Millionen), was 25% der landwirtschaftlichen Betriebe in der Europäischen Union ausmacht. „Wir haben innerhalb von 10 Jahren 800 Höfe pro Tag verloren. Dieser Prozess muss aufgehalten und die Situation verbessert werden“, so Wojciechowski. Es gab allerdings auch positive Zahlen zu vermelden. So würden heute bereits 31 Prozent der Höfe in der EU von Frauen geführt, viele davon sogar unter 40 Jahren – das seien „gute Nachrichten“.


„Wir unterstützen nachhaltiges Wirtschaften“

https://agriculture.ec.europa.eu/events/2022-eu-agricultural-outlook-conference-2022-12-08_en © Europäische Union, 2022

Zudem gab der österreichische Generaldirektor für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in der Europäischen Kommission, Wolfgang Burtscher, einen Einblick in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU, von der Beschlussebene in Brüssel bis zur Implementierung auf den Höfen. „Man kann durchaus Lebensmittel produzieren und das auch nachhaltig tun. Die Strategiepläne der GAP verfügen über diese Elemente“, sagte Burtscher. Es sprach auch die zahlreichen Herausforderungen beim „Green Deal“ und der „Farm to Fork Strategy“ an. Wir unterstützten nachhaltiges Wirtschaften in der Landwirtschaft, brauchen aber auch einen dafür passenden gesetzlichen Rahmen. Ich bin überzeugt, dass die nationalen Strategiepläne einen Beitrag leisten wollen“, so Burtscher.


„Brauchen aktive Lösungen für Herausforderungen“

Einig waren sich die zahlreichen Gastreferentinnen und –referenten der „Agri Outlook Conference“ darüber, dass es die richtigen Rahmenbedingungen brauche, damit junge Bäuerinnen und Bauern auch in Zukunft dazu in der Lage seien, die Höfe in ihren jeweiligen Heimtaländern zu übernehmen. „Es gibt sehr viele unterschiedliche Spielfelder, auf denen viel Arbeit auf uns wartet. Wir müssen die Landwirtschaft resilienter machen und uns auf zahlreiche Änderungen einstellen, vor allem was Umweltfragen, aber auch gesellschaftliche Anforderungen an uns betrifft. Fest steht, dass die europäische Landwirtschaft agil bleiben muss, damit wir auch weiterhin aktive Lösungen für die vielen Herausforderungen finden“, so das Fazit von Reiter nach zwei Tagen Konferenz.


Österreichischer Schweinezüchter stellte sein Konzept vor

Bei der Agricultural Outlook Conference hatten auch einige besonders innovative Landwirte aus der gesamten Europäischen Union die Möglichkeit, ihre Betriebe kurz vorzustellen. Darunter befand sich mit dem Schweinezüchter Markus Kriegner auch ein Vertreter aus Österreich. Er stellte sein auf Tierwohl und Transparenz basierendes Geschäftsmodell „meinSCHWEIN“ vor. Ein Interview, das wir am Rande der Konferenz mit ihm geführt haben, kann man hier nachlesen.



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